Für viele Menschen bildet die Arbeit einen zentralen Lebensbestandteil. Umso belastender ist es, wenn der Arbeitsplatz nicht mehr als sicherer Raum erlebt wird, sondern zur täglichen Quelle von Angst, Stress und Demütigung wird. Mobbing durch Kollegen oder Vorgesetzte ist in der Arbeitswelt weiter verbreitet, als viele vermuten. Dennoch suchen Betroffene häufig erst dann Hilfe, wenn sich bereits ernsthafte psychische oder körperliche Beschwerden entwickelt haben. In diesem Zusammenhang ist das frühzeitige Erkennen von entscheidender Bedeutung, um gesundheitliche Schäden und berufliche Konsequenzen zu vermeiden.
Was unterscheidet Mobbing von normalen Konflikten?
Nicht jeder Konflikt am Arbeitsplatz ist automatisch Mobbing. Meinungsverschiedenheiten, sachliche Auseinandersetzungen oder auch ein scharf geführtes Wortgefecht sind Teil des beruflichen Alltags. Gemäß der Definition wird ein Mobbing-Vorfall erst dann als solcher klassifiziert, wenn eine Person über einen längeren Zeitraum hinweg systematisch und wiederholt schikaniert, ausgegrenzt oder herabgewürdigt wird. Charakteristisch ist, dass die Angriffe nicht zufällig erfolgen, sondern eine erkennbare Struktur haben und darauf abzielen, die betroffene Person zu schwächen oder aus dem Arbeitsumfeld zu verdrängen. Gemäß arbeitswissenschaftlicher Maßstäbe liegt Mobbing in der Regel dann vor, wenn entsprechende Handlungen über einen Zeitraum von mindestens einem Monat hinweg mindestens einmal pro Woche auftreten.
Wie häufig ist Mobbing in Deutschland?
Eine repräsentative Studie zur Arbeitswelt zeigt, dass Mobbing in der Arbeitswelt ein wiederkehrendes Phänomen ist. Mehr als sechs Prozent der befragten Beschäftigten gaben an, bereits Mobbing durch Kollegen oder Vorgesetzte erlebt zu haben. Besonders häufig betroffen sind junge Menschen, Beschäftigte in unsicheren Arbeitsverhältnissen sowie Personen mit Migrationsgeschichte. Bestimmte Branchen zeigen eine erhöhte Tendenz in Bezug auf Mobbingbelastung. Die Zahlen machen deutlich, dass es sich um ein strukturelles Problem handelt, das sowohl individuelle als auch gesellschaftliche Relevanz hat.
Typische Erscheinungsformen von Mobbing
Mobbing beginnt oft schleichend und wird von den Betroffenen zunächst nicht als solches erkannt. Vorgesetzte können beispielsweise durch ständige Schuldzuweisungen, den Entzug von Aufgaben oder die Übertragung unrealistisch hoher Arbeitslasten Druck ausüben. Auch Einschüchterungen oder verdeckte Drohungen sind keine Seltenheit. Mobbing unter Kollegen manifestiert sich häufig in Form von Ausgrenzung, gezieltem Ignorieren oder abwertenden Gesprächen hinter dem Rücken der betroffenen Person. Eine besondere Herausforderung stellt das Schweigen des Umfelds dar. Wer das Mobbing beobachtet und nicht eingreift, trägt zur Verfestigung des Mobbings bei.
Warum kommt es zu Mobbing am Arbeitsplatz?
Die Gründe für Mobbing sind vielfältig. Häufig spielen Machtverhältnisse eine zentrale Rolle, insbesondere wenn Vorgesetzte ihre Position ausnutzen, um Druck auszuüben. In anderen Fällen fühlen sich Täter in ihrer eigenen beruflichen Stellung bedroht und versuchen, sich durch Abwertung anderer aufzuwerten. Auch persönliche Unzufriedenheit, Frustration oder fehlende soziale Kompetenzen können eine Rolle spielen. Unabhängig vom jeweiligen Motiv gilt jedoch: Mobbing ist niemals auf individuelles Versagen der betroffenen Person zurückzuführen.
Die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen
Die Folgen von Mobbing sind erheblich. Bei vielen Betroffenen können Angstzustände, Schlafstörungen oder ein dauerhaftes Erschöpfungsgefühl auftreten. In vielen Fällen treten Depressionen oder ein Burnout auf. Bereits nach wenigen Monaten können ernsthafte Krankheitssymptome auftreten, die eine längere Arbeitsunfähigkeit nach sich ziehen. Mobbing verursacht hohe betriebswirtschaftliche und volkswirtschaftliche Kosten. Zu diesen zählen beispielsweise Fehlzeiten, Produktivitätsverluste und Personalfluktuation.
Welche Möglichkeiten haben Betroffene, sich zu wehren?
Mobbing-Situationen benötigen in der Regel eine externe Intervention, um sich aufzulösen. Aus diesem Grund ist es von entscheidender Bedeutung, frühzeitig Unterstützung zu suchen und aktiv zu werden. Innerbetrieblich können Gespräche mit Vertrauenspersonen, Vorgesetzten oder dem Betriebsrat ein erster Schritt sein. Gemäß dem Betriebsverfassungsgesetz ist der Betriebsrat dazu befugt, gegen Beschäftigte vorzugehen, die andere mobben. Dies ist jedoch nur zulässig, wenn der Betriebsfrieden nachhaltig gestört wurde. Auch ohne Betriebsrat sind unter Umständen rechtliche Schritte möglich, etwa auf Grundlage des allgemeinen Persönlichkeitsrechts oder arbeitsvertraglicher Fürsorgepflichten.
Die Beweisführung spielt dabei eine zentrale Rolle. Den Betroffenen wird dringend empfohlen, ein detailliertes Mobbing-Tagebuch zu führen, in dem Vorfälle mit Datum, Uhrzeit, Beteiligten und konkretem Ablauf dokumentiert werden. Nur so lässt sich vor Gericht nachvollziehbar darstellen, dass es sich um systematisches Mobbing handelt und nicht um einzelne Konflikte.
Früh handeln und rechtlichen Rat einholen
Mobbing am Arbeitsplatz stellt eine ernstzunehmende Belastung dar, die sowohl die Gesundheit als auch die berufliche Existenz gefährden kann. Wer frühzeitig Anzeichen erkennt und sich Unterstützung holt, verbessert seine Chancen erheblich, die Situation zu klären oder sich wirksam zu schützen. Eine rechtliche Beratung kann dabei helfen, die eigenen Möglichkeiten realistisch einzuschätzen und gezielt vorzugehen. Denn niemand muss es hinnehmen, dass der Arbeitsplatz zur täglichen Qual wird.
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